Bundesamt für Statistik (BFS)
Vergleich [ Kantone 2017 ]

(Cercle Indicateurs)

Pflanzenartenvielfalt ( Kantone · Umwelt · U1: Biodiversität )

Der Indikatorwert entspricht der mittleren Artenzahl der Gefässpflanzen pro Quadratkilometer, standardisiert für eine Höhe von 500 m ü. M.

Die Rohdaten für die Berechnung des Indikators stammen aus den schweizweiten Erhebungen der Gefässpflanzen zum Indikator Artenvielfalt in Landschaften (Z7) des Biodiversitätsmonitorings Schweiz (BDM). Die Vorkommen von Gefässpflanzen werden auf Stichprobenflächen (Rasterzellen) von einem Quadratkilometer nach standardisierten Methoden erhoben. Das Stichprobenetz bildet ein regelmässiges Raster, das über der Schweiz liegt, ausgehend von einem zufällig gewählten Punkt.

Entsprechend der Kantonsgrösse liegen unterschiedlich viele BDM-Stichprobenflächen in den einzelnen Kantonen. Bei kleinen Kantonen mit einer geringen Anzahl BDM Flächen ist der Indikator stark abhängig von der Lage der BDM Flächen und der Indikatorwert ist entsprechend ungenau und zufällig. Aus diesem Grund wird für Kantone mit weniger als fünf Stichprobenflächen keinen Indikatorwert veröffentlicht.

Die Methodologie wird im Bericht «Indikator U1-Biodiversität des Cercle Indicateurs – Erarbeitung der Methoden» hergeleitet und detailliert beschrieben. Weitere Informationen über den Indikator Artenvielfalt in Landschaften (Z7) und das BDM sind unter www.biodiversitymonitoring.ch zu finden.
Pflanzen stehen als Primärproduzenten an der Basis vieler Nahrungsketten. Kommen viele verschieden Gefässpflanzen vor, dann können auch viele Konsumenten vorkommen. Entsprechend kann eine hohe Pflanzenartenvielfalt stellvertretend für eine insgesamt hohe Biodiversität angesehen werden.
Aus Sicht der Daten gibt es keine Vorbehalte gegenüber allfälligen interkantonalen Vergleichen.
Die Vertrauensintervalle sind auf www.cercleindicateurs.bfs.admin.ch verfügbar.

Kontextuelle Angaben
Neben dem menschlichen Einfluss bestimmen biogeografische Verbreitungsmuster und physische Faktoren wie Geologie, Relief und Klima das natürliche Potenzial der Artenvielfalt von Landschaften. Bei der Berechnung des Indikators wurden die Höhenunterschiede zwischen den Kantonen, die einen grossen Teil des natürlichen Potenzials der Artenvielfalt in einem Kanton erklären, schon berücksichtigt. Weitere naturgegebene Unterschiede zwischen den Kantonen, zum Beispiel aufgrund der geologischen Verhältnisse oder des Waldanteils, sind bei der Interpretation des Indikators zusätzlich zu berücksichtigen.

Der gesamte Artenreichtum der Gefässpflanzen in Landschaften ist abhängig von der Vielfalt und Qualität der Lebensräume: Je mehr verschiedene Lebensraumtypen wie etwa Wiesen, Wald oder Äcker in einer Landschaft vorkommen, desto mehr Arten finden einen geeigneten Lebensraum.

Weiter kommt es auf die Qualität der Lebensräume an. So ist es beispielsweise relevant, ob es auf einer Stichprobenfläche nur Fettwiesen gibt oder auch Magerwiesen. In intensiv besiedelten Gebieten wie der Schweiz, wird die Artenvielfalt der Gefässpflanzen vor allem durch die Art und Intensität der Landnutzung bestimmt.

Artenarme Stichprobenflächen unterscheiden sich von artenreichen vor allem durch das Fehlen von mittelhäufigen Habitattypen wie etwa Magerwiesen. Wenn diese Lebensräume fehlen, finden auch die für sie charakteristischen Arten keinen Lebensraum mehr. Häufige und verbreitete Arten sind auf fast jeder Stichprobenfläche zu finden und reagieren daher nicht sensitiv auf Umweltveränderungen. Auch sehr seltene Arten mit beschränkter Verbreitung sind für den Indikator wenig relevant, da sie nur ganz selten und zufällig auf BDM- Stichprobenflächen leben. Der Indikatorwert wird also vor allem durch mittelhäufige Arten beeinflusst.

Hinweise für die Interpretation der Zeitreihen
Der Indikator macht keine Wertung der nachgewiesenen Gefässpflanzenarten. Somit werden beispielsweise auch gebietsfremde Pflanzen (Neophyten) berücksichtigt. Viele Neophyten haben seit Anfang der 2000 Jahre stark zugenommen. Sie machen aber nur rund sechs Prozent aller Gefässpflanzen-Artbeobachtungen des Indikators aus und beeinflussen den Indikatorwert deshalb kaum. Unter den Neophyten haben seit 2001 besonders diejenigen Arten zugenommen, die eine hohe Affinität zu höheren Temperaturen haben wie beispielsweise das Einjährige Berufskraut (Erigeron annuus s.l.) oder der Götterbaum (Ailanthus XXXXXX).

Neben den Neophyten haben aber auch einheimische Pflanzenarten verschiedener ökologischen Gruppen zugenommen. Am meisten Arten mit Ausbreitungstendenz hat die Gruppe der Ruderalpflanzen tiefer und milder Lagen (die Ruderalpflanzen sind Pflanzen, die spontan offene aber nicht genutzte Flächen wie z.B. Brache, Trümmer, Eisenbahnlinien oder Wegränder besiedeln). Darunter befinden sich vor allem Pflanzenarten mit kurzem Lebenszyklus, die innert ein bis zwei Jahren keimen, blühen, viele Samen bilden und dann absterben. Beispiele für solche Arten sind die Graugrüne Borstenhirse (Setaria pumila) oder der Portulak (Portulaca oleracea). Neben den Ruderalpflanzen haben sich insbesondere in den Landschaften tiefer Lagen der Schweiz wärmezeigende und trockenresistente Gefässpflanzenarten überdurchschnittlich stark ausbreiten. Diesen Veränderungen der Artenzusammensetzungen ist bei der Interpretation der Ergebnisse Rechnung zu tragen.

Im Sinne der nachhaltigen Entwicklung sollen die Artenvielfalt, die Vielfalt von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen sowie die genetische Vielfalt erhalten werden. Die Biodiversität ist eine wichtige Grundlage für lebensnotwendige Leistungen der Ökosysteme z. B. für die Ernährung, den Wasserkreislauf oder die Medizin. Sie ist somit eine fundamentale Ressource und ein Naturerbe, die es für die nächsten Generationen zu erhalten gilt. Das Zusammenspiel der verschiedenen Arten hält die Ökosysteme im Gleichgewicht und die Vielfalt ermöglicht langfristig die Anpassung an sich verändernde klimatische Bedingungen. Die Qualität und die Vernetzung der Lebensräume sind für die Biodiversität entscheidend. Dies gilt insbesondere für urbane Gebiete, die eine grosse Lebensraumdiversität haben und zahlreiche Arten beherbergen können.

Letzter Stand: 1516890906